Auftaktveranstaltung: Starke Impulse für Wasserstoffhochlauf
BDWR stellt H2Regional vor: Schlüssel für den Wasserstoffhochlauf in den Regionen
Mehr als 180 Wasserstoff-Expertinnen und -Experten kamen am 16. März 2026 in Stuttgart zum Auftakttreffen der „Wirtschaftsplattform H2“ zusammen. Gastgeber im Look 21, dem Sitz von Unternemer Baden-Württemberg e.V., war der Bund der Wasserstoffregionen (BDWR).
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Vorstellung des neuen Konzepts H2Regional. Vorgestellt wurde es von Dr. Hanno Butsch, der zugleich die Gesamtmoderation der Veranstaltung übernahm. Das Konzept zeigt, wie regionale Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammengebracht, Bedarfe gebündelt und konkrete Umsetzungsstrukturen aufgebaut werden können.
Deutlich wurde dabei: Der Wasserstoffhochlauf ist komplex. Er gelingt nur, wenn Erzeugung, Infrastruktur, Nachfrage und Regulierung gemeinsam gedacht werden. Genau hier setzt H2Regional an. Das Konzept will die Umsetzung in den Regionen stärken und den Hochlauf verlässlicher und praxisnäher machen.
Auch inhaltlich setzte die Veranstaltung klare Schwerpunkte. Es ging nicht nur um Klimaschutz, sondern ebenso um Resilienz, Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze. Landrat (Heilbronn) Norbert Heuser, Sprecher des BDWR, betonte die große Bedeutung des Themas und machte deutlich, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, in die Umsetzung zu gehen. Zugleich verwies Heuser auf die Bedeutung von Wasserstoff für den Mittelstand. Dort, wo gasbasierte Prozesswärme weiter benötigt wird und Elektrifizierung an Grenzen stößt, bleibt Wasserstoff für viele KMU eine zentrale Transformationsoption. Förder- und Markthochlaufinstrumente müssten diese Realität stärker berücksichtigen und sich an den betrieblichen Anforderungen orientieren.
Ein weiterer Schwerpunkt war das Thema Resilienz. In den Diskussionen wurde deutlich, wie wichtig es ist – gerade bei den aktuellen energiepolitischen Rahmenbedingungen – unabhängiger von volatilen, fossilen Energieformen und Energieimporten zu werden. Dezentrale Strukturen können dazu beitragen, regionale Wertschöpfung zu stärken, Arbeitsplätze zu sichern und Investitionen vor Ort wirksam werden zu lassen.
Das Programm der Veranstaltung spiegelte die Breite des Themas wider. Neben dem Impuls zu H2Regional standen zwei Paneldiskussionen, eine Publikumsrunde sowie zahlreiche Breakout-Sessions zu Infrastruktur, Erzeugern und Abnehmern auf der Agenda. So entstand ein fachlich tiefgehender und zugleich praxisnaher Austausch.
Mit großer Aufmerksamkeit verfolgten die Teilnehmenden auch die Beiträge von Hanna Schumacher, Unterabteilungsleiterin für Wasserstoff- und Gasinfrastruktur sowie Mineralölkrisenvorsorge im BMWE, und Louise Maizières, Referatsleiterin für Wasserstoff und internationale Energiepartnerschaften bei der DIHK.
Hanna Schumacher machte deutlich, dass weder Bund noch Länder den Wasserstoffhochlauf allein finanzieren können. Deshalb seien weitere Finanzierungsinstrumente notwendig. Zugleich stellte sie klar, dass es aus ihrer Sicht keine vollständige Netzentgeltbefreiung für Wasserstoff geben werde.
Louise Maizières betonte, dass die Wasserstoffwirtschaft vor Ort in den Regionen entsteht und nur gelingen kann, wenn alle Ebenen eng verzahnt zusammenarbeiten. Unternehmen bräuchten vor allem Planungssicherheit, ergänzende Instrumente und einen zügigen Netzausbau. Ihr Fazit: Es fehle weniger an Erkenntnissen als an Entscheidungen.
Ein wichtiges Ergebnis des Tages war deshalb der Ruf nach einfachen, klaren und verlässlichen Rahmenbedingungen. Nur wenn Unternehmen und andere Akteure Planungssicherheit haben, kann der Wasserstoffhochlauf in der Breite gelingen. Es wurde deutlich, dass viele kleine und mittlere Unternehmen noch mehr Orientierung für ihren konkreten Dekarbonisierungspfad benötigen. Hier braucht es gezielte Unterstützung, die nah an den betrieblichen Realitäten ansetzt, praktikabel ist und den Zugang zu Wasserstoff in der Fläche verbessert.
Auch positive Signale wurden sichtbar: Im Verkehrsbereich greifen erste Mechanismen bereits. Der Hochlauf geht voran, auch wenn langsamer als ursprünglich geplant. Mit Blick auf den internationalen Wettbewerb, etwa auf China, das die Elektrolyse massiv ausbauen will, wurde zugleich deutlich, wie wichtig es ist, dass Deutschland und Europa beim Wasserstoff jetzt dranbleiben.
Die Auftaktveranstaltung der Wirtschaftsplattform H2 war damit ein starker fachlicher und politischer Impuls. Sie hat gezeigt, dass der Wille zur Zusammenarbeit groß ist und dass mit H2Regional ein konkreter Ansatz auf dem Tisch liegt, um den Wasserstoffhochlauf in den Regionen strukturiert voranzubringen.
Kurzbeschreibung BDWR
Der Bund der Wasserstoffregionen (BDWR) ist eine Strategie- und Kommunikationsplattform für Regionen und Verbände, die den Wasserstoffhochlauf praktisch voranbringen wollen. Er bündelt Wissen aus kommunalen Wasserstoffprojekten, entwickelt konkrete Lösungsvorschläge und stärkt den Austausch zwischen den Akteuren vor Ort.


